GSB 7.1 Standardlösung

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK

Depressive Symptomatik bei Personen mit und ohne Diabetes in der COVID-19-Pandemie

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen (WHO 2016). Depressive Symptome und Störungen treten häufig komorbid bei einer Diabeteserkrankung auf, verbunden mit einer verringerten Therapieadhärenz bei Personen mit Diabetes (Gonzales et al. 2008). Im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie und den damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen wurden psychische Belastungsreaktionen in der Bevölkerung berichtet (Richter et al. 2021) und langfristig wird eine Zunahme psychischer Störungen einschließlich Depressionen vermutet (Zielasek, Gouzoulis-Mayfrank 2020). In Bezug auf das Vorliegen einer depressiven Symptomatik wurden in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung insgesamt in Deutschland bisher jedoch keine ausgeprägten Unterschiede vor und während der Pandemie beobachtet (Damerow et al. 2020), bei Personen mit Diabetes ist die Befundlage hierbei unklar.

Kernaussagen:

  • Ausgeprägte Veränderungen im Anteil der depressiven Symptomatik sind von April 2019 bis September 2020 nicht zu erkennen.
  • Im gesamten Zeitraum berichten Personen mit Diabetes häufiger eine depressive Symptomatik als Personen ohne Diabetes.
  • Der Anteil der depressiven Symptomatik verläuft bei Personen mit und ohne Diabetes weit gehend parallel.

Depressive Symptomatik in den letzten zwei Wochen bei Personen mit und Personen ohne Diabetes im Zeitverlauf von April 2019 bis September 2020 (adjustierte Anteile) Depressive Symptomatik in den letzten zwei Wochen bei Personen mit und Personen ohne Diabetes im Zeitverlauf von April 2019 bis September 2020 (adjustierte Anteile) Abbildung 1: Depressive Symptomatik (PHQ-8) in den letzten zwei Wochen bei Personen mit und Personen ohne Diabetes im Zeitverlauf von April 2019 bis September 2020: Anteil nach Monat (Punkte mit vertikalen Linien) und nach Kalenderwoche geglättet (Punkte mit Tunnelbereich), jeweils adjustiert für Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland

Ergebnis

Im Beobachtungszeitraum von April 2019 bis September 2020 lassen sich sowohl bei Personen mit als auch bei Personen ohne Diabetes keine ausgeprägten Veränderungen im Vorliegen einer depressiven Symptomatik beobachten. Die Anteile der depressiven Symptomatik verlaufen hierbei bei Personen mit und ohne Diabetes jeweils weitgehend parallel (Abbildung 1). Im gesamten Zeitraum berichten Personen mit Diabetes häufiger eine depressive Symptomatik als Personen ohne Diabetes. Während der Eindämmungsmaßnahmen zwischen Anfang April und Ende Juli (Kalenderwochen 15 und 26) 2020 weisen Personen mit Diabetes mit 9,9 % (95 %-KI 6,1-13,7) weniger häufig eine depressive Symptomatik auf im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2019 mit 14,6 % (95 %-KI 7,6-21,7). Diese Abnahme ist allerdings nicht signifikant und setzt bereits vor Beginn der Pandemie im März 2020 ein.

Fazit

Es zeigen sich bei Personen mit und ohne Diabetes keine ausgeprägten Veränderungen im Anteil der depressiven Symptomatik über den Zeitraum April 2019 bis September 2020, in dem die COVID-19-Pandemie ausbrach und in Folge dessen umfangreiche Eindämmungsmaßnahmen eingeführt wurden. Weitere Analysen mit größeren monatlichen Fallzahlen bei Personen mit Diabetes erscheinen sinnvoll um die vorliegenden Befunde bestätigen und potentielle Veränderungen im weiteren Verlauf der Pandemie untersuchen zu können. Mit Fortschreiten der Pandemie und auch im Hinblick auf ihre Folgeerkrankungen („Long-COVID-19“) besteht weiterer Forschungsbedarf im Rahmen der Diabetes-Surveillance.

Informationen zu Methodik und Datenquellen

Definition

Der Indikator depressive Symptomatik wird mit der deutschen Version des 8-Item-Depressionsmoduls des Patient Health Questionnaire (PHQ-8) erhoben und ist definiert als Anteil der Personen mit einer depressiven Symptomatik in den letzten zwei Wochen bei Vorliegen eines bekannten Diabetes im Vergleich zur Abwesenheit eines Diabetes (Bretschneider et al. 2017).

Bezugspopulation

Deutschsprachige Wohnbevölkerung in Deutschland mit bekanntem und ohne bekannten Diabetes, Alter ab 18 Jahren

Datenquelle

Bundesweiter RKI-Befragungssurvey GEDA 2019/2020-EHIS basierend auf Telefonstichprobe (Festnetz und Mobilfunk) und Erhebung durch telefonische Befragung.

Fallzahl
  • GEDA 2019/2020-EHIS: n = 24.016, davon

    • 1.712 Personen mit bekanntem Diabetes in den letzten 12 Monaten
    • 21.633 Personen ohne bekannten Diabetes in den letzten 12 Monaten
Berechnung
  • Beschreibung: Für den Indikator werden die adjustierten Anteile monatlich und geglättet wöchentlich (d. h. die wöchentlichen Schwankungen in den Anteilen werden durch Modellierung ausgeglichen) getrennt für Personen mit und für Personen ohne Diabetes geschätzt. Zur Adjustierung nach den Kontrollvariablen Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland sowie zur Glättung der wöchentlichen Anteile wurden logistische Regressionsmodelle verwendet. Eine detaillierte Beschreibung der verwendeten Modellierung und Software findet sich in einer früheren Publikation (Damerow et al. 2020).
  • Gewichtung: Um Abweichungen der Surveys von der jeweils zugrundeliegenden Bezugspopulation aufgrund von unterschiedlicher Teilnahmebereitschaft oder Auswahlwahrscheinlichkeit zu korrigieren, wurde für die Berechnung des Indikators jeweils ein Gewichtungsfaktor verwendet. Diese passen den Survey an die Bevölkerungsstruktur der Bezugspopulation hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bundesland, Kreistyp und Bildung zum 31.12.2018 an.
Datenqualität

Die RKI-Befragungssurveys (GEDA) liefern repräsentative Ergebnisse für die deutschsprachige Wohnbevölkerung Deutschlands ab 18 Jahren. Wie bei allen bevölkerungsbezogenen Studien ist davon auszugehen, dass schwer kranke und institutionalisierte Personen unterrepräsentiert sind. Darüber hinaus basieren alle Informationen auf Selbstangaben und nicht auf ärztlichen Interviews oder Untersuchungen. Die deutlichen Schwankungen in den monatlichen Anteilen mit breiten Konfidenzintervallen bei Personen mit Diabetes lassen sich auch auf die geringen Fallzahlen zurückführen, was eine Limitation der vorliegenden Analyse darstellt.