GSB 7.1 Standardlösung

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK

HF 1: Diabetesrisiko reduzieren

Diabetesrisiko in der COVID-19-Pandemie

Während der COVID-19-Pandemie kam dem Gesundheitsverhalten eine doppelte Bedeutung zu. Zum einen kann das Gesundheitsverhalten den Krankheitsverlauf von COVID-19 beeinflussen und zum anderen führen die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu einer Veränderung des Gesundheitsverhaltens, welche wichtige Risikofaktoren für die Entstehung eines Diabetes umfassen. Neben dem Gesundheitsverhalten können die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auch Einfluss auf die Neuerkrankungen (Inzidenz) des Diabetes haben. Für den Typ-1-Diabetes konnte keine Veränderung der Inzidenz festgestellt werden und für den Typ-2-Diabetes wird erst in Zukunft ersichtlich, ob die veränderte Risikolage zu einem Anstieg an Neuerkrankungen beigetragen hat.

Kernaussagen:

  • Zu Beginn der COVID-19-Pandemie spiegeln sich die Einschränkungen im öffentlichen Leben nur bedingt in Veränderungen des Gesundheitsverhalten der Bevölkerung wider.
  • Erste Ergebnisse zeigen keinen Anstieg der Inzidenz für Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland während der COVID-19-Pandemie.
  • Seit Einführung der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie hat das Körpergewicht um etwa 1 kg in der erwachsenen Bevölkerung zugenommen.
  • Während der COVID-19-Pandemie lassen sich keine auffälligen Änderungen in der generell abnehmenden Häufigkeit des Tabakrauchens in Deutschland beobachten.

Gesundheitsverhalten in der COVID-19-Pandemie

In einer Übersichtsarbeit beschreiben Jordan et al. (2020) das Gesundheitsverhalten anhand der Themen Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, körperliche Aktivität und Adipositas im Kontext der COVID-19-Pandemie. Dabei stellten sie fest, dass das Risiko einen schweren Erkrankungsverlauf aufzuweisen direkt durch Rauchen und Alkoholmissbrauch und indirekt durch körperliche Inaktivität und eine unausgewogene Ernährung erhöht wird. Während sich für Deutschland zum Zeitpunkt des Reviews keine Auswirkung der Einschränkungen des öffentlichen Lebens auf das Bewegungs- und Rauchverhalten sowie den Alkoholkonsum zeigten, lagen für das Ernährungsverhalten ambivalente Ergebnisse vor. Die Ergebnisse deuten jedoch unterschiedliche Tendenzen für verschiedene Bevölkerungsgruppen und damit soziale Ungleichheiten im Gesundheitsverhalten an. Detaillierte Ergebnisse zu den Themen Rauchen und Körpergewicht auf Basis der GEDA-Studie sind im Folgenden beschrieben.

Inzidenz des Typ-1-Diabetes in der COVID-19-Pandemie

Psychologischer Stress ausgelöst z.B. durch „social distancing“ während des Lockdowns in Deutschland als Kindergärten und Schulen geschlossen waren, kann bei Kindern und Jugendlichen das Risiko eines Typ-1-Diabetes erhöhen. Tittel et al. (2020) verglichen die Inzidenz von Typ-1-Diabetes zwischen März und Mai 2020 und vorangegangenen Jahren und stellten keine Erhöhung der Inzidenz des Typ-1-Diabetes fest. Die beobachtete Inzidenz (23,4 je 100.000 Personenjahre; 95%-KI: 21,5-25,5) unterscheidet sich nicht signifikant von der Inzidenz basierend auf Daten von 2011 bis 2019 (22,1 je 100.000 Personenjahre; 95%-KI: 20,4-23,9]), unabhängig von Alter und Geschlecht der Kinder und Jugendlichen. Weitere Untersuchungen eines zeitlich verzögerten Effektes sind nötig.

Körpergewicht und Body Mass Index in der COVID-19-Pandemie

In dem Artikel von Damerow et al. (2020) werden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die gesundheitliche Lage der erwachsenen Bevölkerung, einschließlich von Veränderungen des Körpergewichts und des Body Mass Index (BMI), auf Basis von Daten der bundesweiten GEDA-Befragungsstudie (GEDA 2019/2020-EHIS) untersucht. Die Analyse zeigt für den Zeitraum April bis August 2020 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr eine Zunahme des durchschnittlichen Körpergewichts von 77,1 kg auf 78,2 kg und des durchschnittlichen BMI von 25,9 kg/m2 auf 26,4 kg/m2 in der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands. Diese Trends könnten mit pandemiebedingten Veränderungen im Alltag zusammenhängen und sollten weiter beobachtet werden.

Rauchverhalten in der COVID-19-Pandemie

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Pandemie wurde über Rauchen als Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Erkrankungsverlauf und eine damit verbundene erhöhte Sterblichkeit berichtet (WHO 2020). Vor diesem Hintergrund erscheinen vermehrte Versuche zur Aufgabe des Rauchverhaltens während der Pandemie als plausibel. Auf der anderen Seite könnte die Pandemie aber auch zu einem erhöhten Konsum von Tabakprodukten beitragen (Georgiadou et al. 2020).
Damerow et al. (2020) beobachteten in der GEDA-Studie von April 2019 bis September 2020 eine Abnahme des Anteils von Tabakrauchenden in Deutschland von 32,6 % auf 28,1 %. Auffällige Änderungen in diesem Trend während der Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen waren aber nicht ersichtlich. Für vertiefende Analysen zum Rauchverhalten in Verbindung mit COVID-19, etwa in Bezug auf die Intensität des Konsums, bedarf es weiterer Studien.

Soziale Deprivation im Kontext der COVID-19-Pandemie

Gemäß dem Review von Wachtler et al. (2020a) gibt es in der internationalen Forschungsliteratur Hinweise darauf, dass das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 und das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf bei sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen erhöht ist. So könnten beispielsweise die Arbeitsbedingungen oder Wohnverhältnisse von sozial benachteiligten Gruppen zu einer erhöhten Transmission von SARS-CoV-2 beitragen.
In Deutschland zeigte sich laut Wachtler et al. (2020b) zu Beginn der Pandemie eine höhere COVID-19-Inzidenz in Regionen mit höherem Einkommen und Bildungsstatus. Dieser Trend kehrte sich jedoch Mitte April 2020 zuungunsten der stärker deprivierten Regionen und sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen um. Weiteres kontinuierliches Monitoring ist notwendig um sozialepidemiologischen Muster im COVID-19-Geschehen rechtzeitig zu erkennen und das Risiko einer Zunahme der gesundheitlichen Ungleichheit zu minimieren.