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Ambulant-sensitive Krankenhausfälle

Diabetes kann aufgrund des Auftretens von Komplikationen oder Blutzuckerentgleisungen eine stationäre Behandlung erfordern. Der Indikator „ambulant-sensitive Krankenhausfälle“ ist international etabliert und wird alle zwei Jahre als Teil des OECD-Berichts Health at a Glance im internationalen Vergleich publiziert (OECD 2017). Auf der Grundlage der OECD-Definition werden nur Krankenhausaufnahmen mit der Hauptdiagnose Diabetes einbezogen, da der Indikator die ambulante Versorgungsqualität messen soll. Stationäre Fälle mit Diabetes als Nebendiagnose, die aufgrund der mit dem Alter zunehmenden Prävalenz des Diabetes auf viele Behandlungsfälle zutreffen (Lehmann et al. 2019), werden in diesem Konzept nicht berücksichtigt.

Kernaussagen

  • Im Jahr 2020 zeigt sich im Kontext der COVID-19-Pandemie ein starker Rückgang der ambulant-sensitiven Krankenhausfälle aufgrund des Diabetes.
  • Die Rate ambulant-sensitiver Krankenhausfälle ist in den Bundesländern mit hoher Diabetesprävalenz und Regionen mit starker sozioökonomischer Deprivation besonders hoch.

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Ergebnis

Zwischen 2015 und 2019 ist die Rate der ambulant-sensitiver Krankenhausfälle mit Hauptdiagnose Diabetes relativ konstant mit einem leichten Rückgang. Anschließend sinkt die Rate von 248 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2019 stark ab auf 207 im Jahr 2020. Bei Frauen sinkt die Rate von 193 auf 155 und bei Männern von 305 auf 261 pro 100.000 Einwohner. Auch zeigt sich der Rückgang in allen Bundesländern. Im Jahr 2020 zeigen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt 274 und 243 für Frauen sowie 438 und 404 für Männer deutlich höhere Raten pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu Schleswig-Holstein (Frauen: 122; Männer: 223) oder Hamburg (Frauen: 96,8; Männer: 200). Sowohl für Männer wie für Frauen zeigen sich die höchsten Raten von ambulant sensitiven Krankenhausfällen aufgrund von Diabetes in Regionen mit der höchsten sozioökonomischen Deprivation.

Fazit

In den Jahren 2015 bis 2019 nimmt die Rate ambulant-sensitiver Krankenhausfälle aufgrund der Indikation Diabetes leicht ab. Im Jahr 2020 zeigt sich ein starker Rückgang, welcher im Kontext der COVID-19-Pandemie zu sehen ist. So zeigt eine Analyse des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) einen starken Rückgang aller ambulant-sensitiven Krankenhausfälle - auch aufgrund von Diabetes - ab Beginn der Pandemie im März 2020 (Leistungsgeschehen von Krankenhäusern in der Corona-Krise). Bis Mitte des Jahres steigen die Krankenhausfälle wieder an, bleiben jedoch unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt zeigen Frauen im Vergleich zu Männern deutlich geringere Raten. Die regionalen Ergebnisse zeigen die höchsten Raten für ambulant-sensitive Krankenhausfälle in den Bundesländern mit im Vergleich bereits hoher Prävalenz des Diabetes (Faktenblatt „Prävalenz des dokumentierten Diabetes“). Auch Regionen mit hoher sozioökonomischer Deprivation sind mit einer höheren Diabetesprävalenz assoziiert (Grundmann et al. 2014), was zu den höheren Raten für ambulant-sensitive Krankenhausfälle in diesen Regionen beiträgt. Die Rate der stationären Krankenhausfälle mit Diabetes als Nebendiagnose, die aufgrund der hohen Prävalenz des Diabetes in den höheren Altersgruppen deutlich oberhalb der hier berichteten Rate liegt, ist nicht Gegenstand des hier dargestellten Konzepts, welches auf die ambulante Versorgung in Qualität und Struktur zielt.

Informationen zu Methodik und Datenquellen anzeigen

Definition

Der Indikator ambulant-sensitive Krankenhausfälle ist definiert als Anzahl an stationären Behandlungsfällen von Personen (ab 15 Jahren) mit Hauptbehandlungsdiagnose Diabetes (E10.-/E11.-/E13.-/E14.-) bezogen auf 100.000 Einwohner (ab 15 Jahren) in einem Jahr.

Bezugspopulation

Alle Krankenhausfälle, die nach dem DRG-Vergütungssystem abgerechnet werden.

Datenquelle

Fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik (DRG-Statistik), die alle ca. 19 Millionen stationär behandelten Fälle pro Jahr in Deutschland einschließt.

Berechnung

  • Beobachtete Werte: Anzahl an Krankenhausfällen bezogen auf 100.000 Einwohner.
  • Altersstandardisierung: Es erfolgt eine direkte Altersstandardisierung unter Verwendung der Altersgruppen 15-19 Jahre bis 80-84 Jahre in Fünfjahresschritten und der Altersgruppe 85 Jahre und älter mit der Bezugspopulation der Wohnbevölkerung Deutschlands zum 31.12.2020.
  • Stratifizierung: Die Darstellung nach Bundesland basiert auf dem Wohnort. Die Stratifizierung nach regionaler sozioökonomischer Deprivation erfolgt auf Grundlage des German Index of Socioeconomic Deprivation (GISD, Revision 2020) (Kroll et al. 2017). Dieser liefert Informationen zu allen Land- und Stadtkreisen und teilt diese in Quintile von niedrigster bis höchster sozioökonomischer Deprivation ein. Die Berechnung erfolgte stratifiziert für jedes Quintil nach Linkage des GISD mit den Krankenhausfällen auf Kreisebene (Ökologische Korrelation).

Datenqualität

Die fallpauschalenbezogene Krankenhausstatistik beinhaltet Informationen über alle Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Sie umfasst unter anderem Haupt- und Nebendiagnosen, Operationen und Prozeduren sowie Informationen zu Alter, Geschlecht und Wohnort der Patientinnen und Patienten. Die Daten werden auf Fallbasis dokumentiert, sodass wiederholte Krankenhausaufenthalte einer Person als mehrere Fälle gewertet werden. Die Datenqualität hängt von der Kodierpraxis und weiteren Dokumentationseffekten ab.