GSB 7.1 Standardlösung

Alter bei Diagnose

Zwischen Auftreten und Diagnosestellung eines Diabetes, insbesondere eines Typ-2-Diabetes, wird eine Latenzzeit von einigen Jahren angenommen. Das in einer Bevölkerung durchschnittlich vorliegende Alter, in dem eine Diabeteserkrankung diagnostiziert wird, kann im Falle eines abnehmenden Trends zum einen auf eine frühzeitigere Diagnosestellung hindeuten, zum anderen aber auch auf ein frühzeitigeres Auftreten der Erkrankung. Während ein frühzeitigeres Auftreten insbesondere des Typ-2-Diabetes mit einer erhöhten Übersterblichkeit assoziiert sein kann (Sattar et al. 2019), ermöglicht die frühzeitige Erkennung einer Diabeteserkrankung den Beginn der geeigneten Behandlung des Diabetes.

Kernaussagen

  • In Deutschland beträgt das Alter bei Diagnose bei Personen mit bekanntem Diabetes im Jahr 2010 im Durchschnitt 50,7 Jahre.
  • Es zeigen sich signifikante Unterschiede im Mittelwert des Alters bei Diagnose hinsichtlich Geschlecht, Bildung und Region.
  • Im Zeitverlauf von 1998 bis 2010 zeigt sich eine Abnahme des mittleren Alters bei Diagnose eines Diabetes bei Frauen, nicht hingegen bei Männern.

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Trend

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Querschnitt

Nach Region

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  • Nach Geschlecht

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  • Nach Alter

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  • Nach Bildungsgruppe

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Ergebnis

Das Alter bei Diagnose beträgt im Jahr 2010 bei Personen mit bekanntem Diabetes im Durchschnitt 50,7 Jahre und liegt bei Frauen signifikant niedriger als bei Männern (48,1 vs. 53,5 Jahre). Personen in der unteren Bildungsgruppe (54,4 Jahre) bzw. aus den neuen Bundesländern (53,0 Jahre) sind zum Zeitpunkt einer Diabetesdiagnose im Mittel signifikant älter als Personen in der mittleren/oberen Bildungsgruppe (46,1 Jahre) bzw. aus den alten Bundesländern (50,0 Jahre).  Im zeitlichen Trend von 1998 bis 2010 zeigt sich eine signifikante Abnahme des mittleren Diagnosealters bei Frauen von 52,1 auf 48,1 Jahre, aber nur eine geringfügige Änderungen bei Männern.

Fazit

In Deutschland liegt das mittlere Alter bei Diagnose einer Diabeteserkrankung bei etwa 51 Jahren und ist bei Frauen niedriger als bei Männern. Dieser Geschlechtsunterschied könnte auf das Vorkommen von Schwangerschaftsdiabetes bei Frauen zurückzuführen sein. Bei Einschränkung auf Typ-2-Diabetes gleicht sich das mittlere Diagnosealter an (Frauen 54,1 vs. Männer 55,0) (Du et al. 2015). Die Einschätzung des Diagnosealters aus Daten der GKV zeigt eine große Abweichung. Das mittlere Alter bei Diagnose liegt im Jahr 2015 bei Frauen 2,4 Jahre höher (63,4 Jahre) als bei Männern (61,0 Jahre) (Jacobs et al. 2020). Das geringere Diagnosealter bei Personen in der oberen Bildungsgruppe sowie das abnehmende Diagnosealter bei Frauen im Zeitverlauf könnten mit einer besseren Risikowahrnehmung bzw. einem ausgeprägteren Gesundheitsbewusstsein in den entsprechenden Gruppen verbunden sein und weisen auf ein Potential frühzeitiger Erkennung des Diabetes hin.

Informationen zu Methodik und Datenquellen anzeigen

Definition

Der Indikator Alter bei Diagnose ist definiert als der Mittelwert des Alters von Personen mit bekanntem Diabetes zum Zeitpunkt der ärztlichen Diagnose des Diabetes (einschließlich Schwangerschaftsdiabetes).

Operationalisierung

Selbstangabe zu folgender Frage bei Personen mit bekanntem Diabetes:

  • „Wann ist die Zuckerkrankheit oder der Diabetes erstmals festgestellt worden?“

    • vor ... Jahren
    • im Alter von ...
    • im Jahr ...
    • weiß nicht

Bezugspopulation

Wohnbevölkerung in Deutschland mit bekanntem Diabetes, Alter 18-79 Jahre

Datenquelle

Bundesweite RKI-Befragungs- und Untersuchungssurveys 1997-1999 (BGS98) und 2008-2011 (DEGS1) basierend auf Einwohnermeldeamtsstichprobe und Erhebung durch Selbstausfüllfragebogen, ärztliches Interview, automatisierte Medikamentenerfassung und Untersuchung.

Fallzahl

  • BGS98: n = 7.124
  • DEGS1: n = 7.115 (davon n = 2.923 bereits am BGS98 teilgenommen)

Für den Indikator Alter bei Diagnose werden Daten von Personen mit bekanntem Diabetes im Alter 18 bis 79 Jahre eingeschlossen:

  • BGS98: n = 374
  • DEGS1: n = 591

Berechnung

  • Beschreibung: Für jeden Indikator werden die Kennziffern für gesamt, Frauen und Männer sowie jeweils stratifiziert nach Altersgruppe, Wohngebiet und Bildungsstand angegeben soweit die Fallzahl für die Kennziffer ≥ 5 ist und die statistische Unsicherheit in der Schätzung der Kennziffer als nicht zu groß angesehen wird (d.h. Variationskoeffizient ≤ 33,5 %).
  • Stratifizierung: Die geographische Einordnung des Wohnsitzes der teilnehmenden Person erfolgte nach Ost-/West (Ost = neue Bundesländer einschließlich Berlin, West = alte Bundesländer ohne Berlin). Der Bildungsstatus wurde anhand des CASMIN-Indexes bestimmt, in den Angaben zu schulischer und beruflicher Ausbildung eingehen und der die Einteilung in eine untere, mittlere und obere Bildungsgruppe ermöglicht.
  • Gewichtung: Um Abweichungen der Surveys von der jeweils zugrundeliegenden Bezugspopulation aufgrund von unterschiedlicher Teilnahmebereitschaft oder Auswahlwahrscheinlichkeit zu korrigieren, wurde für die Berechnung des Indikators in BGS98 und DEGS1 jeweils ein Gewichtungsfaktor verwendet. Diese passen die Surveys an die Bevölkerungsstruktur der Bezugspopulation hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bundesland, deutsche Staatsangehörigkeit (ja/nein), Gemeindetyp und Bildung zum 31.12.1997 (BGS98) beziehungsweise 31.12.2010 (DEGS1) an. In DEGS1 wurde bei der Gewichtung zusätzlich die unterschiedliche Teilnahmewahrscheinlichkeit von Wiederteilnehmenden aus BGS98 berücksichtigt.
  • Altersstandardisierung: Es erfolgt eine Altersstandardisierung und Trendgewichtung durch Berechnung des Gewichtungsfaktors in BGS98 unter Verwendung der Alters-, Geschlechts- und Bundeslandstruktur der Bezugspopulation zum 31.12.2010.

Datenqualität

Die RKI-Befragungs- und Untersuchungssurveys (BGS98/ DEGS1) liefern repräsentative Ergebnisse für die 18- bis 79-jährige Wohnbevölkerung Deutschlands. Die Bevölkerung ab 80 Jahren wird erst in zukünftigen Erhebungswellen eingebunden werden. Wie bei allen bevölkerungsbezogenen Studien ist davon auszugehen, dass schwer kranke und institutionalisierte Personen unterrepräsentiert sind. Es ist eine Erinnerungsverzerrung (Recall-Bias) bei Selbstangaben zu Alter bei Diabetesdiagnose möglich.

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