GSB 7.1 Standardlösung

Selbsteingeschätzte Versorgungsqualität

Neben der Einschätzung der Versorgungsqualität von chronischen Erkrankungen auf Basis von objektiven Daten (z.B. Medikation oder Laborwerte) gewinnt die Einschätzung der Versorgungsqualität aus der Perspektive der betroffenen Person selbst zunehmend an Bedeutung und gilt als wichtiger Indikator in der Abbildung der Versorgungsqualität (Nicolucci et al. 2013). Eine von den Betroffenen als gut eingeschätzte Versorgung gilt als günstig im Hinblick auf ein besseres Selbstmanagement und ein geringeres Auftreten von Komplikationen. Epidemiologische Studien zur selbsteingeschätzten Versorgungsqualität bei Erwachsenen mit Diabetes liegen in Deutschland bislang kaum vor.

Kernaussagen

  • Die selbsteingeschätzte Versorgungsqualität bei Personen mit Diabetes ist in Deutschland eher mittelmäßig. 
  • Frauen mit Diabetes schätzen ihre Versorgungsqualität schlechter ein als Männer mit Diabetes.
  • Es zeigen sich leichte regionale, aber keine bildungsspezifischen Unterschiede in der selbsteingeschätzten Versorgungsqualität.

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Querschnitt

Nach Region

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  • Nach Geschlecht

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  • Nach Alter

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  • Nach Bildungsgruppe

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Ergebnis

Die selbsteingeschätzte Versorgungsqualität bei Personen ab 45 Jahren mit bekanntem Diabetes in den letzten 12 Monaten liegt im Jahr 2017 bei einer Skala von 1 bis 5 mit 2,45 im mittleren Bereich und ist bei Frauen niedriger als bei Männern (2,32 vs. 2,57). Mit zunehmendem Alter wird die Versorgungsqualität durch die Betroffenen geringer eingeschätzt. So liegt der PACIC-DSF-Summenscore im Alter von 45-64 Jahre bei 2,67 und ab einem Alter von 80 Jahren bei 2,13. Hinsichtlich der Bildungsgruppen sind hingegen keine Unterschiede in der selbsteingeschätzten Versorgungsqualität zu beobachten. Bei regionaler Betrachtung zeigt sich eine positivere Einschätzung in der Region Mitte-Ost (2,59) im Vergleich zu den Regionen Nord-Ost (2,34) und Mitte-West (2,37).

Fazit

In Deutschland zeigt sich insgesamt eine mittelmäßig selbsteingeschätzte Versorgungsqualität bei Personen mit Diabetes. Verbesserungen hinsichtlich der Aufklärung über die Erkrankung und ihrer Behandlung sowie einer aktiveren Einbindung der Betroffenen in den Umgang mit der Erkrankung erscheinen sinnvoll, um eine positiver wahrgenommene Versorgungsqualität zu erzielen. 

Informationen zu Methodik und Datenquellen anzeigen

Definition

Der Indikator selbsteingeschätzte Versorgungsqualität ist definiert als subjektiv wahrgenommene Versorgungsqualität in Bezug auf die Diabeteserkrankung, erfasst durch eine adaptierte deutschsprachige Version der Patient Assessment of Chronic Illness Care-DAWN Kurzform (PACIC-DSF) und angegeben als Mittelwert des PACIC-DSF-Summenscores (Skala 1 bis 5, höhere Werte weisen auf eine höher selbsteingeschätzte Versorgungsqualität hin).

Operationalisierung

  • Eingangsfrage: „Welche Art von Hilfe haben Sie von Ihrem Behandlungsteam für Ihr Diabetesmanagement innerhalb der letzten 12 Monate erhalten?“
  • Neun Einzelfragen zu Hilfen hinsichtlich Medikation, Behandlungsplan und –zielen, Diabetesmanagement und –behandlungszielen, Unterstützung durch soziales Umfeld und Besuch von Selbsthilfegruppen oder Schulungen sowie zu Kontaktaufnahme nach Praxisbesuch und zur Zufriedenheit mit der Organisation der Behandlung.
  • Antwortmöglichkeiten:

    • 1 = nie
    • 2 = selten
    • 3 = manchmal
    • 4 = häufig
    • 5 = immer
  • Selbsteingeschätzte Versorgungsqualität: Die Summe der Antworten zu den 9 Einzelfragen geteilt durch 9 bildet den PACIC-DSF-Summenscore mit einer Skala 1-5; höhere Werte weisen auf eine als besser eingeschätzte Versorgungsqualität hin.

Bezugspopulation

Personen mit bekanntem Diabetes in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung Deutschlands, Alter ab 45 Jahren

Datenquelle

Bundesweite RKI-Studie „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus (2017)“ in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung Deutschlands ab 18 Jahren bestehend aus zwei Befragungsabschnitten (Repräsentativteil und Diabetesstichprobe) basierend auf Telefonstichprobe (Festnetz und Mobilnummern) und Erhebung durch telefonische Befragung (Paprott et al. 2018). 

Die Diabetesstichprobe wurde über ein spezielles Screeningverfahren der Zielgruppe von Personen mit bekanntem Diabetes erhoben.

Fallzahl

  • Diabetes-Stichrobe: n = 1.479 (einschließlich 263 Personen mit diagnostiziertem Diabetes aus dem Repräsentativteil),
  • davon 1.396 Personen mit bekanntem Diabetes in den letzten 12 Monaten

Berechnung

  • Beschreibung: Für den Indikator werden die Kennziffern für gesamt, Frauen und Männer sowie jeweils stratifiziert nach Altersgruppe, Wohngebiet und Bildung angegeben soweit die Fallzahl für die Kennziffer ≥ 5 ist und die statistische Unsicherheit in der Schätzung der Kennziffer als nicht zu groß angesehen wird (d. h. Variationskoeffizient ≤ 33,5 %). 
  • Stratifizierung: Die geographische Einordnung des Wohnsitzes der teilnehmenden Person erfolgte nach Region (Nord-Ost, Nord-West, Mitte-Ost, Mitte-West und Süden). Der Bildungsstatus wurde anhand des CASMIN-Indexes bestimmt, in den Angaben zu schulischer und beruflicher Ausbildung eingehen und der die Einteilung in eine untere, mittlere und obere Bildungsgruppe ermöglicht.
  • Gewichtung: Um Abweichungen der Studie von der zugrundeliegenden Bezugspopulation aufgrund von unterschiedlicher Teilnahme- oder Auswahlwahrscheinlichkeit zu korrigieren, wurde für die Berechnung des Indikators ein Gewichtungsfaktor verwendet. Dieser passt die Studie an die Bevölkerungsstruktur der Bezugspopulation hinsichtlich, Geschlecht, Alter, und Bildung zum 31.12.2016 an. Zur Anpassung wurde hierbei die Verteilungsstruktur der Personen mit diagnostiziertem Diabetes aus dem bundesweiten RKI-Survey „Gesundheit in Deutschland aktuell 2012" (GEDA 2012) herangezogen, da die Daten aus der Bevölkerungsstatistik des Statistischen Bundesamts keine Rückschlüsse auf die Gruppe der Personen mit diagnostiziertem Diabetes in der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren zulassen.

Datenqualität

Der Add-on-Survey „Krankheitswissen und Informationsbedarfe – Diabetes mellitus (2017)“ liefert repräsentative Ergebnisse für Personen mit und ohne Diabetes der deutschsprachigen Wohnbevölkerung Deutschlands ab 18 Jahren. Wie bei allen bevölkerungsbezogenen Studien ist davon auszugehen, dass schwer kranke und institutionalisierte Personen unterrepräsentiert sind. Darüber hinaus basieren die Informationen aus der Befragung auf Selbstangaben.

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