GSB 7.1 Standardlösung

Versorgungsqualität des Typ-2-Diabetes

Die Versorgungsqualität von Personen mit Typ-2-Diabetes spielt eine entscheidende Rolle in der Prävention, Behandlung und Prognose von diabetesbezogenen Begleit- und Folgeerkrankungen, welche wiederum mit erhöhten Krankheitskosten und einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert sind. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie zur Therapie des Typ-2-Diabetes unter anderem spezifische Therapieziele für HbA1c (Blutzuckerlangzeitwert), Cholesterin und Blutdruck sowie Maßnahmen zu Diabetes-Selbstmanagement und Versorgungsprozessen.

Kernaussagen

  • Die meisten leitlinienbasierten Empfehlungen zur Versorgungsqualität werden von der Mehrheit der 45- bis 79-jährigen Personen mit Typ-2-Diabetes erreicht.
  • Etwa nur jede dritte der 45- bis 79-jährigen Personen mit Typ-2-Diabetes verwendet Statine und erreicht das Therapieziel von non-HDL-Cholesterin.
  • Im zeitlichen Verlauf lässt sich eine Verbesserung der Versorgungsqualität verzeichnen.

Die Visualisierung von Indikatoren benötigt Javascript. Bitte aktivieren Sie Javascript in Ihrem Browser.

Trend

Indikatoren_ScreenreaderHinweis_Datentabelle

Querschnitt

Nach Region

Indikatoren_ScreenreaderHinweis_Datentabelle

  • Nach Geschlecht

    Indikatoren_ScreenreaderHinweis_Datentabelle

  • Nach Alter

    Indikatoren_ScreenreaderHinweis_Datentabelle

  • Nach Bildungsgruppe

    Indikatoren_ScreenreaderHinweis_Datentabelle

Ergebnis

Unter 45- bis 79-jährigen Personen mit bekanntem Typ-2-Diabetes beträgt im Jahr 2010 der Anteil derer mit erreichtem non-HDL-Cholesterin-Therapieziel (< 130 mg/dl) 33,0 % (Frauen: 24,7 %; Männer: 40,3 %) und mit Anwendung von Statinen 36,9 % (Frauen: 30,5 %; Männer: 42,6 %). In Bezug auf das erreichte Blutdruck-Therapieziel (sytolischer/diastolischer Blutdruck < 140/80 mmHg), die Teilnahme an einer Diabetesschulung, eine ärztliche Fußuntersuchung in den letzten 12 Monaten und die Glukose-Selbstkontrolle liegen die Anteile bei 60,1 % (Frauen: 60,8 %; Männer: 59,5 %), 61,3 % (Frauen: 61,3 %; Männer: 61,3 %), 61,4 % (Frauen: 61,9 %; Männer: 60,9 %) und 62,8 % (Frauen: 64,1 %; Männer: 61,6 %). Am höchsten sind die Anteile für eine augenärztliche Untersuchung in den letzten 12 Monaten mit 78,4 % (Frauen: 84,3 %; Männer: 73,2 %), das abgestufte HbA1c-Therapieziel mit 80,7 % (Frauen: 81,4 %; Männer: 80,0 %) sowie die Bestimmung des HbA1c-Wertes in den letzten 12 Monaten mit 93,2 % (Frauen: 94,6 %; Männer: 92,1 %). Unter Personen mit bekanntem Typ-2-Diabetes sowie bekannter Hypertonie liegt der Anteil der Personen mit Anwendung von ACE oder ARB bei 71,0 % (Frauen: 63,2 %; Männer: 78,5 %). Im Zeitraum von 1998 bis 2010 haben sich die Anteile der Personen mit erreichtem Ziel der genannten Indikatoren der Versorgungsqualität deutlich erhöht. Daten zur Bestimmung des HbA1c-Wertes in den letzten 12 Monaten und Teilnahme an einer Diabetesschulung für 1998 liegen hierbei nicht vor.

Fazit

Die Versorgungqualität von Personen mit Typ-2-Diabetes im Alter von 45 bis 79 Jahren in Deutschland hat sich im Zeitraum von 1998 bis 2010 erheblich verbessert. Dennoch bleiben insbesondere die Anwendung von Statinen und das Cholesterin-Therapieziel weiterhin hinter den leitlinienbasierten Empfehlungen zurück (Piepoli 2010). Die Verbesserungen in der Versorgungssituation insgesamt reflektieren möglicherweise die Einführung des Disease-Management-Programms für Typ-2-Diabetes in Deutschland im Jahr 2003 (Fuchs 2014).

Informationen zu Methodik und Datenquellen anzeigen

Definition

Die Indikatorengruppe Versorgungsqualität des Typ-2-Diabetes umfasst insgesamt 10 Einzelindikatoren bezüglich Therapiezielen, Diabetes-Selbstmanagement und Versorgungsprozessen. Die Indikatoren sind jeweils definiert als Anteil der Personen mit bekanntem Typ-2-Diabetes, welche die entsprechende Empfehlung erreichen.

Operationalisierung

Die Indikatoren basieren auf Messwerten von HbA1c (Blutzuckerlangzeitwert), HDL und Gesamtcholesterin, systolischem und diastolischem Blutdruck sowie auf Selbstangaben zu Selbstmanagement und Versorgungsprozessen.  

Spezifische Therapieziele für Blutzuckerlangzeitwert, Cholesterin und Blutdruck:

1) Abgestuftes HbA1c-Ziel: HbA1c-Zielwert unter Berücksichtigung des Alters und bestehender Begleiterkrankungen:

  • HbA1c-Wert für Personen mit diabetesspezifischen Komplikationen oder kardiovaskulärer Komorbidität:

    • bis 8,0 % für 45- bis 79-Jährige
  • HbA1c-Wert für Personen ohne diabetesspezifische Komplikationen und kardiovaskuläre Komorbidität:

    • bis 7,0 % für 45- bis 64-Jährige
    • bis 7,5 % für 65- bis 79-Jährige

2) Non-HDL-Cholesterin-Ziel:

  • Gesamtcholesterin – HDL-Cholesterin <130 mg/dl

3) Blutdruck-Therapieziel:

  • systolischer Blutdruck <140 mmHg und diastolischer Blutdruck <80 mmHg

Selbstmanagement:

4) Selbstbestimmung Glukose

  • Kontrollieren Sie Ihren Blutzuckerwert selbst?

    • ja
    • nein

5) Diabetesschulung

  • Haben Sie jemals an einer Diabetesschulung teilgenommen?

    • ja
    • nein

Versorgungsprozesse:

6) Augenärztliche Untersuchung: Ärztliche Augenuntersuchung in den letzten 12 Monaten

  • Wann wurde zuletzt der Augenhintergrund durch einen Augenarzt untersucht?

    • Angabe: vor ... Monaten oder Jahren
    • nie
    • weiß nicht

7) Erhebung Fußstatus: Ärztliche Fußuntersuchung in den letzten 12 Monaten

  • Wann wurden Ihre Füßen zuletzt von einem Arzt gesehen?

    • Angabe: vor ... Monaten oder Jahren
    • nie
    • weiß nicht

8) HbA1c-Bestimmung: Bestimmung des HbA1c-Werts in den letzten 12 Monaten

  • Wann wurde zuletzt der HbA1c bestimmt?

    • Angabe: vor ... Monaten oder Jahren
    • nie
    • weiß nicht

9) Anwendung ACEI und ARB:

  • Einnahme von Angiotensin-Converting-Enzym-Inhibitor (ACEI) oder Angiotensin 1-Rezeptorblocker (ARB) innerhalb der letzten 7 Tage bei Personen mit jemaliger ärztlicher Hypertoniediagnose erfasst durch automatisierte Medikamentenerfassung mittels der ATC-Codes C09A/C09B oder C09C/C09D.

10) Anwendung Statine:

  • Einnahme von Statinen innerhalb der letzten 7 Tage erfasst durch automatisierte Medikamentenerfassung mittels ATC-Codes C10AA/C10BA.

Um auf den bekannten Typ-2-Diabetes zu fokussieren, wurden unter Personen mit bekanntem Diabetes, solche mit möglichem Typ-1-Diabetes durch einen Algorithmus (Alter bei Diagnose < 30 Jahre UND Insulinbehandlung unmittelbar nach Diagnose UND Insulinbehandlung derzeit) identifiziert  und ausgeschlossen.

Bezugspopulation

Wohnbevölkerung in Deutschland mit  bekanntem Typ-2-Diabetes, Alter 45-79 Jahre

Datenquelle

Bundesweite RKI-Befragungs- und Untersuchungssurveys 1997-1999 (BGS98) und 2008-2011 (DEGS1) basierend auf Einwohnermeldeamtsstichprobe und Erhebung durch Selbstausfüllfragebogen, ärztliches Interview, automatisierte Medikamentenerfassung und Untersuchung.

Fallzahl

  • BGS98: n = 7.124
  • DEGS1: n = 7.115 (davon n = 2.923 bereits am BGS98 teilgenommen)

Für die Indikatorengruppe Versorgungsqualität des Typ-2-Diabetes werden Daten der Altersgruppe 45 bis 79 Jahre mit bekanntem Typ-2-Diabetes ausgewertet:

  • BGS98: n = 333
  • DEGS1: n = 526

Berechnung

  • Beschreibung: Für die Indikatorengruppe werden die Kennziffern für gesamt, Frauen und Männer sowie jeweils stratifiziert nach Altersgruppe, Wohngebiet und Bildungsstand angegeben soweit die Fallzahl für die Kennziffer ≥ 5 ist und die statistische Unsicherheit in der Schätzung der Kennziffer als nicht zu groß angesehen wird (d.h. Variationskoeffizient ≤ 33,5 %). 
  • Stratifizierung: Die geographische Einordnung des Wohnsitzes der teilnehmenden Person erfolgte nach Ost-/West (Ost = neue Bundesländer einschließlich Berlin, West = alte Bundesländer ohne Berlin). Der Bildungsstatus wurde anhand des CASMIN-Indexes bestimmt, in den Angaben zu schulischer und beruflicher Ausbildung eingehen und der die Einteilung in eine untere, mittlere und obere Bildungsgruppe ermöglicht.
  • Gewichtung: Um Abweichungen der Surveys von der jeweils zugrundeliegenden Bezugspopulation aufgrund von unterschiedlicher Teilnahmebereitschaft oder Auswahlwahrscheinlichkeit zu korrigieren, wurde für die Berechnung des Indikators in BGS98 und DEGS1 jeweils ein Gewichtungsfaktor verwendet. Diese passen die Surveys an die Bevölkerungsstruktur der Wohnbevölkerung in Deutschland  hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bundesland, deutsche Staatsangehörigkeit (ja/nein), Gemeindetyp und Bildung zum 31.12.1997 (BGS98) beziehungsweise 31.12.2010 (DEGS1) an. In DEGS1 wurde bei der Gewichtung zusätzlich die unterschiedliche Teilnahmewahrscheinlichkeit von Wiederteilnehmenden aus BGS98 berücksichtigt.
  • Altersstandardisierung: Es erfolgt eine Altersstandardisierung und Trendgewichtung durch Berechnung des Gewichtungsfaktors in BGS98 unter Verwendung der Alters-, Geschlechts- und Bundeslandstruktur der der Wohnbevölkerung in Deutschland zum 31.12.2010

Datenqualität

Die RKI-Befragungs- und Untersuchungssurveys (BGS98/DEGS1) liefern repräsentative Ergebnisse für die 18- bis 79-jährige Wohnbevölkerung Deutschlands. Die Bevölkerung ab 80 Jahren wird erst in zukünftigen Erhebungswellen eingebunden werden. Wie bei allen bevölkerungsbezogenen Studien ist davon auszugehen, dass schwer kranke und institutionalisierte Personen unterrepräsentiert sind.

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK