GSB 7.1 Standardlösung

Armutsrisikoquote

Die Armutsrisikoquote (auch Armutsgefährdungsquote) beschreibt den Anteil der Menschen, die unterhalb der Armutsrisikogrenze leben, gemessen an dem nach Anzahl und Alter der Haushaltsmitglieder bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen (Netto-Äquivalenzeinkommen). Nach dieser Definition gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 % des gesellschaftlich mittleren Netto-Äquivalenzeikommens zur Verfügung hat. Sozioökonomische Benachteiligung, z. B. hinsichtlich des Einkommens, ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes assoziiert (Agardh et al. 2011; Heidemann et al. 2019; Lampert et al. 2013).

Kernaussagen

  • In Deutschland sind im Jahr 2023 16,6 % der erwachsenen Bevölkerung und etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen von Armut bedroht.
  • Frauen sind häufiger von Armut bedroht als Männer und junge Erwachsene sowie Ältere häufiger als andere Altersgruppen.
  • Zwischen den Bundesländern sind deutliche Unterschiede in der Armutsrisikoquote zu beobachten.

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Trend

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Querschnitt

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Ergebnis

Die Armutsrisikoquote der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland liegt 2023 bei 16,6 % (Frauen: 17,6 %; Männer: 15,5 %) und bei Kindern und Jugendlichen bei 20,7 %. Der höchste Anteil (25,0 %) im Jahr 2023 ist dabei in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen zu beobachten (Frauen: 26,5 %; Männer: 23,6 %). Die Armutsrisikoquote sinkt dann schrittweise bis auf 12,5 % bei den 50- bis 65-Jährigen (Frauen: 13,2 %; Männer: 11,8 %) bevor sie bei über 65-Jährigen noch einmal auf 18,1 % ansteigt (Frauen: 20,2 %; Männer: 15,4 %). Frauen sind dabei in allen Altersgruppen und allen Bundesländern stärker von Armut bedroht als Männer. Weiterhin sind Personen aus Haushalten, in denen die haupteinkommensbeziehende Person eine hohe Bildung hat (7,3 %) weniger armutsgefährdet als Personen aus Haushalten, in denen die haupteinkommensbeziehende Person eine niedrige Bildung hat (38,5 %). Zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Während Bremen mit 28,8 % (Frauen: 29,3 %; Männer: 28,3 %) die höchste Quote aufweist, ist diese in Bayern mit 12,8 % (Frauen: 14,0 %; Männer: 11,5 %) am niedrigsten. Seit 2005 (Erwachsene: 14,7 %; Kinder und Jugendliche: 19,5 %) ist sie insgesamt angestiegen.

Fazit

Die Armutsrisikoquote ist insgesamt seit 2005 angestiegen. Über alle Altersgruppen und alle Bundesländer hinweg sind Frauen stärker von Armut bedroht als Männer. Auch zwischen den Altersgruppen und Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Senkung des Armutsrisikos, beispielsweise durch sozialpolitische Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Lage der Bevölkerung mit erhöhtem Armutsrisiko, sollte daher berücksichtigt werden, um das Risiko für nichtübertragbare Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes zu reduzieren. Auch Veränderungen in der Lebensmittelbesteuerung sollten angestrebt werden, um den Zugang zu gesunden Lebensmitteln finanziell zu erleichtern (Drewnowski 2009). Da sich das Armutsrisiko bereits im Kindes- und Jugendalter auf das Gesundheitsverhalten und den Gesundheitszustand auswirken kann, sollten Präventionsangebote außerdem so konzipiert sein, dass gesundheitliche Ungleichheiten verringert werden (Lampert et al. 2019).

Informationen zu Methodik und Datenquellen anzeigen

Definition

Der Indikator Armutsrisikoquote ist definiert als Anteil der Personen, deren Netto-Äquivalenzeinkommen weniger als 60 % des Medians der Netto-Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten (= Armutsrisikoschwelle) beträgt. Das Netto-Äquivalenzeinkommen ist ein auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens berechnetes sowie nach Anzahl und Alter der Haushaltsmitglieder bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied.

Bezugspopulation

Die Armutsrisikoquote wird auf den Bundesmedian bezogen, d. h. die dargestellten Berechnungen orientieren sich am mittleren Einkommen (Median) der erwachsenen Bevölkerung in Privathaushalten im gesamten Bundesgebiet.

Datenquelle

Für den Mikrozensus werden jährlich ca. 1 % der Bevölkerung in Deutschland zu ihren Arbeits- und Lebensbedingungen befragt. Das entspricht rund 810.000 Personen aus rund 370.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften (Destatis 2024).

Berechnung

  • Beobachtete relative Werte: Quotient aus der Anzahl der Personen unterhalb der Armutsrisikoschwelle und der Gesamtbevölkerung. Nähere Informationen zum Schwellenwert für die Armutsrisikogefährdung sind an anderer Stelle aufgeführt (Destatis, WZB und BiB 2021).
  • Stratifizierung: Der Bildungsstatus wurde anhand der ISCED-Klassifikation (Eurostat 2023) bestimmt, in die Angaben zu schulischer und beruflicher Qualifizierung der haupteinkommensbeziehenden Person im Haushalt eingehen und die eine Einteilung in eine untere, mittlere und obere Bildungsgruppe ermöglicht.
  • Gewichtung: Es handelt sich um Hochrechnungen auf Basis der Daten des Mikrozensus. Die Hochrechnung basiert vor 2011 auf den fortgeschriebenen Ergebnissen der Volkszählung 1987 (früheres Bundesgebiet) sowie des Zentralen Einwohnerregisters der früheren DDR zum Stand 3. Oktober 1990 (neue Länder und Berlin-Ost). Ab 2011 basiert die Hochrechnung auf den fortgeschriebenen Ergebnissen des Zensus von 2011. Die Vergleichbarkeit mit den Vorjahren ist ab dem Berichtsjahr 2016 eingeschränkt, da im Jahr 2016 eine Aktualisierung der Stichprobe erfolgte (Bihler und Zimmermann 2016). Weiterhin sind die Ergebnisse des Mikrozensus 2020 nach Umsetzung des Mikrozensusgesetz von Dezember 2016 nur eingeschränkt mit Vorjahreswerten vergleichbar, da seit 2020 Befragungen zum Einkommen und zu den Lebensbedingungen sowie zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, die bisher separat durchgeführt wurden, in den Mikrozensus integriert werden (Destatis 2024).

Hinweis: Bei der Betrachtung des zeitlichen Trends ist die Veränderung der Stichprobe und des Erhebungsmodus des Mikrozensus im Jahr 2016 bzw. 2020 zu beachten.

Datenqualität

Die regionalen Unterschiede im Einkommensniveau werden nicht berücksichtigt. Eine solche Berücksichtigung regionaler Unterschiede ist möglich, wenn statt des Bundesmedians des Einkommens, das mittlere Einkommen (Median) des jeweiligen Bundeslandes (= Landesmedian) verwendet wird. Diese Daten sind unter folgendem Link verfügbar.

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